Es ist eine alte pädagogische Erkenntnis, dass ein Kind in der Schule dann Lernfortschritte machen wird, wenn es dort abgeholt wird, wo es sich in seinem Können und Vermögen befindet. Dies setzt voraus, dass der Lernstand und - mehr noch - seine soziale Entwicklung, seine Interessen und seine Neigungen erkannt werden. Dazu gehört heute mehr denn je, dass Besonderheiten, die das Kind kennzeichnen, von der Schule erfasst werden: Etwaige Schwierigkeiten, die die verschiedensten Gründe haben können, sind ebenso von Bedeutung wie besondere Begabungen und Befähigungen. Gerade auch die Förderung besonderer Begabungen ist unser Anliegen.

Aufgrund der unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsausgangslagen der Schülerinnen und Schüler und des Auftrags zur individuellen Förderung hat das Kollegium der Grundschule Bustedt in Arbeitsgruppen ein Förderkonzept entwickelt, mittels dessen die Besonderheiten eines Kindes so erfasst werden können, dass die Schule es bestmöglich fördern kann (vgl. Abb. 8). Dadurch soll jedes Kind die Möglichkeit bekommen, die verbindlichen Anforderungen des Lehrplans zu erfüllen. Das Konzept Teil 1 wurde im Schuljahr 2004/2005 für die vorschulische Förderung sowie die Eingangsstufe (Klassen 1/2) erarbeitet, für alle Beteiligten als verbindlich verabschiedet und von der Schulkonferenz genehmigt.

Abb. 8 - Themenbereich Diagnostik und Förderung


Die Grundschule Bustedt arbeitet intensiv mit dem benachbarten Kindergarten zusammen, um frühzeitig noch vor der Einschulung Maßnahmen ergreifen zu können. Im Schuljahr 2004/2005 wurde in Abstimmung mit dem Kindergarten und dem Kollegium ein Konzept für das Einschulungsverfahren erstellt. Daraus entstand das nachfolgend aufgeführte Verfahren im Jahresüberblick (s. Anlage 1). Dieses Verfahren wird regelmäßig durch Elternbefragungen evaluiert (s. z.B. Fragebogen für das Schulanmeldeverfahren: Anlage 2). Erste Ergebnisse zeigen, dass Eltern der Kindergartenkinder das Einschulungsverfahren positiv bewerten. Als Beispiel für das Schulanmeldeverfahren: s. Anlage 3. Geplant ist, das Schulanmeldeverfahren im Bereich Sprache zukünftig mittels Computer (Programm: Cito) durchzuführen.

Inzwischen ist für ‚Problemfälle‘ ein Gesprächsforum geschaffen worden. An einem ‚runden Tisch‘ beraten Erzieherinnen, Fachberaterinnen, Logopädinnen und Lehrerinnen über individuell zu ergreifende Maßnahmen für das jeweilige Kind. Diese Gesprächsrunde findet in der Regel nach Schulanmeldung und nach dem angewandten Diagnoseverfahren „Bärenstark“ statt. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass für das zu fördernde Kind vor Schulantritt noch hinreichend Zeit für eine spezielle Förderung gegeben ist.

Das Konzept sieht weiterhin vor, bei Anmeldung der Schulanfänger jeweils im November einen Beobachtungsbogen zu erstellen. Dieser dient der Erfassung der Lernausgangslage in den Bereichen Wahrnehmung, Fein- und Grobmotorik, mathematische Vorkenntnisse, Sprachfähigkeit und allgemeines Wissen (s. Anlage 4). Lassen sich hierbei Auffälligkeiten im sprachlichen Bereich erkennen, wird direkt mit dem speziellen Diagnosetest „Bärenstark“ die Sprachfähigkeit ermittelt (vorschulische Diagnose). Sollten Schwierigkeiten festgestellt werden, so wird ein vorschulischer Sprachförderkurs jeweils ab Januar bis Schulbeginn durchgeführt.

Auf der Grundlage dieser ersten Ergebnisse greifen weitere Diagnose- und Fördermaßnahmen. So wird bereits in der ersten Woche des 1. Schuljahres die Laut-Buchstabenkenntnis, Lautbewusstheit sowie die visuelle Analyse von Formen und Buchstaben aller Schülerinnen und Schüler erfasst (Diagnose I). Falls bei einzelnen Schülerinnen und Schülern Schwierigkeiten auftreten, wird der „Rundgang durch Hörhausen“ als zusätzliches Diagnose- und Förderverfahren eingesetzt (Diagnose II).

Am Ende des 1. Schuljahres führen die Lehrekräfte der Grundschule Bustedt Lernstandserhebungen zu den Bereichen Lesen und Rechtschreibung durch (Diagnose III). Dazu nutzen wir z.Zt. den „Stolperwörterlesetest“ von W. Metze und die „Hamburger Schreibprobe“.

In regelmäßigen Abständen werden in den Klassen 2 bis 4 weitere Lernstandserhebungen zu den bereits genannten Bereichen durchgeführt. Die Erarbeitung des 2. Teils des Förderkonzepts (Klassen 3 und 4) ist für das Schuljahr 2006/2007 vorgesehen.

Diagnose- u. Förderkonzept für Deutsch: Kl. 1/2

Maßnahmen: WAS? Zeitplan: WANN? Modalitäten: WIE? WER?
VORSCHULISCH VORSCHULISCH VORSCHULISCH VORSCHULISCH
Diagnose: „Bärenstark“ und Beobachtungsbogen zum Schulfähigkeitsprofil Oktober/November vor der Einschulung beim Schulanmeldeverfahren Einzeldiagnose Schulleiterin, Lehrerin der künftigen 1. Klasse
Förderung: Beratung November/Dezember Elterngespräch Schulleitung
Förderung: Teilnahme an Sprachförderung „Wir verstehen uns gut“, „Bausteine Praxis“ 4-mal pro Woche, Februar bis Juni Gruppen (max. 13 TN) Fachkraft
Abschluss: Entwicklungsbericht am Ende der Sprachförderung Juni Beobachtungsbogen Fachkraft, Klassenlehrerin


Maßnahmen: WAS? Zeitplan: WANN? Modalitäten: WIE? WER?
SCHULISCH SCHULISCH SCHULISCH SCHULISCH
Diagnose I: Lernstandsdiagnose zum Anfangsunterricht (sprachliche Fähigkeiten, Hörverstehen, Konzentration, Wahrnehmung, Motorik) in den ersten 4 Schulwochen in den Unterricht integrierte Übungen zur Beobachtung des Kindes, Notizen → Lerntagebuch alle am Unterricht beteiligten Lehrer
Diagnose II: „Rundgang durch Hörhausen“ für Kinder, die während der Beobachtung (Diagnose I) aufgefallen sind beginnend ab 4. Schulwoche im Oktober/November bei Auffälligkeiten: Einzeldiagnose (Klassen-)Lehrerin
Förderung zu I u. II: Sprachfördergruppe (Fortführung der Frühförderung) ab der 4. Schulwoche Silentien in Gruppen, 4-mal pro Woche externe Fachkraft
Förderung zu I u. II: „Startbox“, „Hexe Susi“, Fördermaßnahmen nach Breuer/Weuffen, PC: Lernwerkstatt November/Dezember nach Durchführung und Auswertung des Tests „Rundgang durch Hörhausen“ in wechselnden Kleingruppen 5-mal pro Woche Lehrerin (möglichst Deutschlehrerin)
Diagnose III:
HSP für alle Kinder
April im 1. Schuljahr Einzeldiagnose Deutschlehrerin
Diagnose III: Stolperwörterlesetest im Anschluss an HSP bei Auffälligkeiten: Einzeldiagnose Deutschlehrerin
Förderung zu II u. III:
„Hexe Susi“/„Rumpelfax“
ab Dezember im 1. Schuljahr in Kleingruppen Deutschlehrerin
Förderung zu II u. III: Rechtschreibkarteien Wehmeier oder Lessmann ab April nach Durchführung und Auswertung der HSP im Plan für alle Schuljahre festgelegte Förderstunde,
Freiarbeit, Förderung in Kleingruppen
(Klassen-)Lehrerin


Die Grundschule Bustedt hat im Schuljahr 2005/2006 mit dem Einsatz des beschriebenen Diagnose- und Förderkonzepts begonnen. Es wird nun in den einzelnen Klassen erprobt und evaluiert, welche der Maßnahmen wirkungsvoll greifen und welche verbesserungswürdig sind. Nach Ablauf von zwei Schuljahren wird eine detaillierte Evaluation erfolgen und es werden ggf. Modifikationen vorgenommen.

Es wurde begleitend ein Fortbildungsplan erstellt, der für das gesamte Kollegium verbindlich einzuhalten ist:

Entwicklungsziel geplante Fortbildung
Entwicklung eines Förderkonzepts im Fach Deutsch
für die Klassen 1/2
Hörhausen für alle Kolleginnen, alternative Diagnoseverfahren und Fördermaßnahmen zur Optimierung der Förderung, Aufgabenkarten nach Breuer/Weuffen, Fördermaßnahmen am PC